Über Bücherwürmer

Die Larven des Gemeinen Nagekäfers fungieren nicht nur als Holzwürmer, sondern auch als Bücherwürmer. Unter diesem Namen werden allerlei Larven zusammengefasst, die Papier, Pappe, Leim oder Leder mögen. Die erwachsenen Tiere haben ein Larvenleben intensiven Bücherstudiums hinter sich. Fachleute können an den Löchern und am Gangsystem erkennen, welche Art sich jeweils an den Büchern vergriffen hat. Bibliothekare sind nicht gut auf die Tierchen zu sprechen, die ohne einen Leseausweis Bücher verschlingen. Und trotzdem sind diese Bücherfreunde nicht zu tadeln, für das, was sie tun. Sie fressen zwar an unseren Schriften, wir aber waren es, die ihre Nahrung vollgesudelt haben. Sie tun, was Millionen ihrer Kollegen seit Jahrmillionen tun: Abfall wegschaffen. Bücher sind aus toten Pflanzen- und Tierstücken gemacht, und so etwas muss so rasch wie möglich weggeräumt werden, um Platz zu machen für neue Pflanzen und Tiere.

Ohne die Hilfe dieser Allesverzehrer wäre die Welt, wie wir wissen, schon längst in ihrem Abfall erstickt. Wir verfluchen das Gefleuch allerdings, weil sie Plastiktüten, die nicht von selbst zerfallen, verschmähen, und dafür Bücher, die zerfallen sollen, schmackhaft finden. [Dekkers: Von Larven und Puppen. S. 53]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets