Elfriede Jelinek: Babel

Akademietheater 20.3.05
Regie: Nicolas Stemann
Mitwirkende: Sachiko Hara, Barbara Petritsch, Myriam Schröder, Philipp Hauß, Markus Hering, Philipp Hochmair, Rudolf Melchiar, Hermann Scheidleder

Nach dem großen Erfolg von „Das Werk“, durfte Nicolas Steman auch das neue Stück von Elfriede Jelinek uraufführen. Skeptisch ging ich in die Aufführung, war doch eine große Abrechnung mit dem Irakkrieg und sonstigen aktuellen Widerwärtigkeiten angekündigt. Kann das ein Theaterabend leisten?

Die Antwort müßte ein klares „Nein“ sein, versuchte man diese Intention mit realistischen Mitteln umzusetzen. Nun fließt zwar auch in „Babel“ nicht wenig Theaterblut, jeder naturalistische Ansatz wird aber durch Jelineks Ästhetik relativiert, die fulminant mit den semantischen Möglichkeiten der Sprache spielt. Diese Sprachmacht ist es auch, welche den Abend trägt und die Basis für Stemanns inszenatorische Fantasie bildet. Jelineks Monologe sind faszinierend und man frägt sich, wie diese gelungenen „Sprachregister-Übergänge“ zwischen Witz/Ironie/Satire und Pathos/Emotion/Empathie funktionieren. Wie in einem perfekt proportionierten Musikstück gibt es mehrere Themen, die variiert, auf verschiedene Weise durchgeführt werden und trotzdem immer einen Bezug zum Gesamtwerk haben.

Die alten Herren in Stockholm hatten einen lichten Augenblick, als sie diese Sprachkönnerschaft mit dem Nobelpreis auszeichneten.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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