Foucault demystifiziert

Mir schien der akademische Kniefall vor Michael Foucaults Schriften immer schon ein besonders gelungenes Symptom kollektiver Denkschwäche zu sein. Bestätigt wird das von einem instruktiven Aufsatz Jörg Laus, der ausführlich die Bewunderung des originellen Meisters für die iranische Revolution analysiert*:

Der Analytiker der Macht verwandelt sich in den Apologeten einer Machtergreifung, die ihren langen Schatten bis in unsere Gegenwart fallen läßt. Foucault, der Alleszermalmer, der die heiligen Worte der westlichen politischen Philosophie – Demokratie, Fortschritt, Humanität, Freiheit – zertrümmert hat, besingt den Auftritt des Islamismus auf der Bühne der Weltpolitik als »einen Versuch, der Politik eine spirituelle Dimension zu verleihen«. Man sollte meinen, daß das Schauspiel dieser Konversion – vom »Zerstörer der Evidenzen« zum Vorbeter des Gottesstaates – unter den zahlreichen Foucault-Exegeten einiges Interesse erregt hätte. Denn die Liste der Tyrannophilen unter den Intellektuellen des letzten Jahrhunderts ist zwar lang. Aber die strategische Allianz dieses Meisterdenkers mit dem Ajatollah ist selbst unter all den traurigen Geschichten des letzten Jahrhunderts etwas Besonderes.

* Der Essay ist mittlerweile leider nicht mehr online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets