Aurelius Augustinus: Vom Gottesstaat (4)

Buch 6, 7 dtv-bibliothek

An das fünfte Buch anknüpfend, widmet sich das folgende einem speziellen Aspekt des Wettkampfes zwischen römischer und christlicher Religion: Können die heidnischen Götter ewiges Leben verleihen?

Augustinus verspottet schon die Erwägung im allgemeinen, verfügten diese Gottheiten doch (wie ausführlich vorher beschrieben) über einen höchst eingeschränkten Zuständigkeitsbereich. Die These dient ihm jedoch zum Anlass, sich ausführlich mit Marcus Terentius Varro, „a man of immense learning and a prolific author“ (Britannica), auseinanderzusetzen, speziell mit dessen Götterlehre. Der Überlieferung nach schrieb Varro 74 Werke bestehend aus 620 Büchern, von denen – wie so oft – nur ein kleiner Bruchteil überliefert wurde. Augustinus bezieht sich auf die 16 Bücher zum Thema „Göttliches“ der „Antiquitates rerum humanarum et divinarum“. Er geht von Varros Einteilungen aus und argumentiert auf jeder Ebene gegen die Annahme, ewiges Leben sei mit Hilfe heidnischer Götter möglich.

Mit besonderer Verachtung werden dabei wieder die diversen öffentlichen Kulthandlungen bedacht:

Doch wie man im übrigen auch ihren Mysterienkult deuten und zu Naturvorgängen in Beziehung bringen mag, daß Männer beim Geschlechtsverkehr die Rolle des Weibs spielen, ist nicht naturgemäß sondern widernatürlich. Diese Seuche, dies Verbrechen, diese Schmach wird aber in jenem Kult gewerbsmäßig betrieben […] [S. 302]

Im siebten Buch wird die für das Christentum so wichtige Frage über die möglichen Ursachen des ewigen Lebens noch weiter verengt. Augustinus diskutiert sie nun in Hinblick auf die wichtigsten römischen Götter. Nicht ohne sich über diese „Götter Auslese“ lustig zu machen, indem er Tertullian zitiert:

Wennn man Götter ausliest, wie man Zwiebeln ausliest, erklärt man die übrigen für wert, weggeworfen zu werden. [S. 317]

Der Rest des Buches besteht aus einer Abrechnung mit den einzelnen Göttern und einer polemischen Auseinandersetzung mit Varros religionshistorischen Erklärungsversuchen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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