Heeresgeschichtliches Museum

21.10. Homepage HGM

Heute besuchte ich erstmals dieses Museum und war ob der Skurrilität der Institution fasziniert. Die Kombination aus seriösen historischen Anschauungsmaterial und k.u.k. Nostalgiekitsch dürfte in dieser Form einmalig sein. Eine Fundgrube!

Fangen wir mit der seriösen Seite. Geboten wird historisches Anschauungsmaterial vom 15. Jahrhundert bis zum zweiten Weltkrieg, wobei ich mich bei meinem Besuch vor allem auf das 19. und 20. Jahrhundert beschränkte. Zu sehen ist viel instruktives Quellenmaterial. Historische Wahlplakate, Propagandaaushänge, Spendenaufrufe, Verordnungen etc. geben einen dichten Eindruck vom Zeitgeschehen. Im Mittelpunkt stehen allerdings erwartungsgemäß Uniformen samt Ausrüstung und Waffen (vom Revolver bis zur 80 Tonnen schweren Haubitze).

Die Darstellung des historischen Hintergrundes ist an der Grenze des noch erlaubten. So wird rund um den 1. Weltkrieg die Kriegsschuldfrage stark vernachlässigt. Der Audioguide informiert zwar darüber, dass der 1. Weltkrieg eine „Konsequenz“ der österreichischen Politik war, mehr gibts dazu aber nicht zu hören. Nicht nur angesichts der Schulkassen bedenklich. Die Ausstellung über den 2. Weltkrieg beschönigt den Kriegsverlauf nicht, es findet sich aber auch kein Wort über die Beteiligung der Wehrmacht an Kriegsverbrechen. Eine nicht nur vor dem Hintergrund der Diskussion der letzten 10 Jahre, eine kaum zu tolerierende Lücke. Die Endlosvideos mit zeitgenössischem Material bedürften ebenfalls einer kritischen Reflexion.
Wer das Museum nicht als Museum besucht, sondern um sich darüber ein Bild zu machen, wie das Nachkriegsösterreich zur eigenen Vergangenheit steht, wird nicht enttäuscht sein.

Ob es sich um das gerade angedeutete Geschichtsverständnis handelt oder um den Radetzky-Raum samt Radetzkymarsch als Endlosschleife: Man erfährt viel über das Land.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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