Praktizierte Aufklärung (2): Frederick Crews

Das Thema Frederick Crews ist die Kritik wissenschaftlich fragwürdiger psychologischer Methoden und Theorien, speziell der Psychoanalyse. Als Musterbeispiel einer pseudowissenschaftlichen Theorie, die im 20. Jahrhundert weite Kreise der Akademia in ihren irrationalen Bann zog, gibt sie ein vorzügliches Studienobjekt ab. Eines der klassischen Kriterien, um wissenschaftliche Theorien von anderen Wortgebilden abzugrenzen, ist deren Falsifizierbarkeit. Es muss prinzipiell möglich sein, die Theorie durch Erfahrung zu widerlegen. Aufgrund der zahlreichen Immunisierungsstrategien der Vertreter der Psychoanalyse (bis hin zu ad hominem: Wer diese Theorie kritisiert, muss psychisch krank sein), und der religionsähnlichen Struktur der „Theorie“ ist das aber nicht möglich.

Neben wissenschaftstheoretischen Argumenten gibt es noch zahlreiche psychologiegeschichtliche, welche auf die durch psychoanalytische Therapeuten angerichteten Schäden hinweisen.

Was hier stark verkürzt wiedergegeben ist, kann man sehr ausführlich in den Büchern Freckerick Crews nachlesen, in „The Memory Wars. Freud’s Legacy in Dispute“ und „Unauthorized Freud: Doubters Confront a Legend“.

Hinzukommen eine Reihe von Artikeln in der New York Review of Books, so auch in Ausgabe 12/2004, wo er anlässlich einer Neuerscheinung auf die Fragwürdigkeit des Rorschach-Tests hinweist. Wieder einmal gibt es keine empirischen Studien, wieder einmal vertritt der Erfinder höchst seltsame Ansichten:

There is much in Rorschach’s only book, Psychodiagnostics, that might encourage us to regard him as a crank. Bizarrely, for example, he insisted that a movement response be scored if the subject conjured a child sitting at a desk or a vampire sleeping in a coffin, because „muscular tension“ was supposedly implied. And although a dog performing in a circus exhibited Rorschach movement, a cat catching a mouse or a fish darting through water did not, because, according to the founder, significant motion had to be „human-like“ in function. Meanwhile, Rorschach tagged as „pedants“ or „grumblers“ any test takers who concentrated on details as opposed to whole images; those who interpreted white spaces were probably troublemakers; and those who hesitated before commenting on the multicolored cards must be exhibiting „color shock,“ thereby betraying themselves as neurotic repressers of emotion.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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