Wilkie Collins: Die Frau in Weiß

Roman. Deutsch von Arno Schmidt
Fischer TB
(Amazon Partnerlink)

Kurz zögerte ich, einen neunhundertseitigen Roman zu beginnen. Schließlich sagte ich mir: Wenn Arno Schmidt sich die Zeit nimmt, diesen Schmöker zu übersetzen, habe ich mir gefälligst die Zeit für die Lektüre zu nehmen.

Eine gute Entscheidung, denn das Buch stellte sich schnell als hervorragend zu lesender Roman heraus, mit vielen klassischen Ingredienzien des viktorianischen Romans (angereichert mit Elementen der gothic novel). Prall gezeichnete Figuren bevölkern die Handlung rund um eine raffinierte Erbschaftsintrige. Besonders gelungen ist Graf Fosco, der den brillanten Bösewicht gibt. Zur Qualität des Buches trägt bei, dass Collins viktorianische Klischees souverän hinter sich lässt: Marian Halcombe als engagierte und selbständig handelnde Frau entspricht so ganz und gar nicht dem Frauenbild der Zeit.

Arno Schmidts Übersetzung zu lesen ist eine Freude, und man frägt sich, ob es sich hier nicht um einen der seltenen Fälle handelt, wo die Übersetzung besser als das Original ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets