Gambling, Gods and LSD

Filmcasino 7.12.
Regie: Peter Mettler

Den „Zustand der Menschen“ wolle er darstellen, erklärt Peter Mettler am Ende des dreistündigen Films einem indischen Fischer, der ihn nach seinen Motiven befragt. Ergänzen könnte man, dass es dem Filmemacher um den geistigen Zustand der Menschen zu tun ist. Die Stationen seines ambitionierten Dokumentarfilms sind Toronto, der Südwesten der USA, Las Vegas, die Schweiz und Zürich, sowie Südindien. Mettler läßt einzelne Menschen ausführlich sowohl über ihre Erfahrungen mit Religion als auch über Drogenkonsum berichten. Ergänzt wird dies durch das Zeigen religiöser Massenveranstaltungen (Christen in Toronto, hinduistische Pilgerströme in Indien) sowie diverse Abstrusitäten.

Lässt man Mettlers Bilder drei Stunden lang auf sich wirken und wird Zeuge des – diplomatisch formuliert – seltsamen Verhaltens mancher Artgenossen, so erhält man einen ziemlich unvorteilhaften Eindruck vom geistigen „Zustand des Menschen“. Die Übergänge von religiösen zu psychologisch-klinischen Verhaltensmuster sind fließend, und man bekommt wieder einmal deutlich vor Augen geführt, zu welchem Fanatismus Menschen fähig sind. Aus dieser Perspektive eignet sich der Film als anthropologische Materialsammlung zu den zahlreichen gewalttätigen Religionskonflikten der Gegenwart.

Visuell zieht Mettler alle Register, was „Gambling, Gods and LSD“ einen hohen Schauwert verleiht und ihn von anderen Werken dieses Genres wohltuend abhebt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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