A.N. Wilson: Paul. The Mind of the Apostel

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Zentrale These des Buchs ist, dass Paulus der „eigentliche“ Gründer des Christentums (wie wir es kennen) ist. Ohne ihn hätte sich das Christentum schwerlich vom Judentum gelöst und eine eigene Weltreligion begründet. Grund für diesen Erfolg war, neben vielen kontingenten „Nebenbedingungen“, Paulus‘ erfolgreiche Mythologisierung des neuen Glaubens. Förderlich war auch sein großer Pragmatismus in diversen religiösen Äußerlichkeiten (Essensvorschriften usw.). Viele zentale Glaubensinhalte, etwa das Konzept von „Christus“ gingen auf den Apostel zurück. Um dies zu belegen, schildert der Autor kenntnisreich die Situation der frühchristlichen Gemeinden im römischen Reich und räumt mit einer Reihe von Legenden auf. Dabei zeigt sich Wilson in verschiedenen Fächern gut beschlagen, etwa in der Quellenkritik der Texte des Neuen Testaments, speziell der Apostelgeschichte und der Paulus Briefe.

Kritisch anzumerken wäre vielleicht Wilsons (durchaus kritischer) Enthusiasmus für seinen Gegenstand. Um seine aus rationaler Perspektive seltsamen Doktrinen zu rechtfertigen, vergleicht ihn Wilson mit romantischen Dichtern. Womit immerhin eingeräumt ist, dass man ihn beim besten Willen nicht zu den antiken Philosophen zählen kann.

Wer sich für Geistesgeschichte interessiert, wird an diesem Buch trotzdem seine Freude haben.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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