MRR und Musil

Wer glaubt, Naturwissenschaftler verstünden zwangsläufig weniger von Literatur als prominente Literaturkritiker, greife zum Oktoberheft von „Spektrum der Wissenschaft“. Darin findet sich auf Seite 16 ein Artikel des Physikers Michael Springer*, in dem dieser Musil gegen MRR in Schutz nimmt:

Reißwolf Reich-Ranicki hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass ihn an der Literatur einzig deren Unterhaltungswert interessiert. Dieses populistische Dogma bläht die Segel seiner enormen Popularität, treibt ihn aber auf seine alten Tage auch in gefährliche Untiefen. Literatur muss [darf!; CK] nicht immer nur unterhaltsam das bestätigen, was wir schon wussten. Sie darf auch experimentieren, neue Formen erproben, die Welt etwa mit Forscheraugen sehen. Wem diese Anstrengung, die sich zur Unterhaltungsliteratur ähnlich verhält wie die Grundlagenforschung zum marktreifen Produkt, allzu mühsam ist, der muss davon nichts lesen. Wer aber solche Literatur aus dem Kanon der Moderne verbannen möchte, der richtet sich als Kritiker selbst.

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