Gilgamesh (2.)

  • 1. Neuübersetzung von Raoul Schrott, Wiss. Buchgesellschaft
  • 2. Akademietheater am 18.9.
    Regie: Theu Boermans
    Gilgamesh: Roland Koch
    Enkidu: Markus Hering
  • Als erstes überliefertes Werk der Weltliteratur übt dieses Epos naturgemäß eine große Faszination aus, und man ist überrascht, auf wie viele wichtige literarische (und andere) Motive man darin bereits stößt. So wird dem Leben gegenüber eine auffallend pessimistische Haltung eingenommen, was durch eine Reihe von „bitteren“ Beobachtungen deutlich wird. Die klassischen literarischen Stoffe (Liebe, Leben, Tod) kommen alle ausführlich zu ihrem Recht.

    Was die Qualität der neuen Übersetzung von Raoul Schrott angeht, bin ich unschlüssig. Es finden sich immer wieder Passagen, die poetisch sehr gelungen sind. Andere wirken vergleichsweise flapsig, so dass sich ein uneinheitliches Bild ergibt. Cum grano salis ist sie aber gut lesbar, was aus literaturdidaktischen Gründen natürlich lobenswert ist.

    Auf der Bühne des Akademietheaters – das Burgtheater gab bei Schrott eine Adaption für das Theater in Auftrag – wirkt die Sprache adäquater. Die Aufführung wurde wider Erwarten seht gut mit diesem Stoff fertig (endlich im dritten Anlauf ein gelungener Theaterabend!), daran ändern auch ein paar fragwürdige „Pointen“ nicht.

    Beruhigend, dass man sich wenigstens auf die Qualität des Akademietheaters verlassen kann.

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    „Die Presse“ meint:

    "Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
    (5. Januar 2013)

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