Verdi: Aida

Wiener Festwochen, Theater an der Wien 15.6.
Regie: Peter Konwitschny
Musikalische Leitung: Wolfgang Bozic
Wiener Symphoniker
Arnold Schoenberg Chor
Konstantin Sfiris, Ildiko Szönyi, Sylvie Valayre, Jan Vacik

Der Wiener Opernfreund hat die Wahl zwischen der Staatsoper, die ihn musikalisch verwöhnt und szenisch langweilt, der Volksoper, die musikalisch ab und zu akzeptabel und inszenatorisch populistisch ist, einer Reihe freier Operngruppen, die engagiert Passables auf die Bühne bringen, für Herausragendes aber zu wenig Mittel haben.

Deshalb war die erste Gelegenheit, eine von Peter Konwitschny gestaltete Opernaufführung in Wien zu sehen, eine erfrischende Abwechslung. Geboten wird einem intelligentes Regietheater, eine Kombination, die leider nicht selbstverständlich ist. Kein Wunder, dass er bereits zweimal zum Opernregisseur des Jahres gewählt wurde.

Seine Grundidee: Aida als Kammeroper. Keine Aufmärsche, keine Triumphzüge, überhaupt keine Massenszenen. Statt dessen zu Beginn einer weißer Raum mit einem Sofa in der Mitte. Das Bühnenbild wird durch Farben und Projektionen variiert. Der Chor ist nicht sichtbar hinter der Bühne platziert, wo auch die Massenszenen stattfinden. Gezeigt werden deren individuelle Auswirkungen auf die einzelnen Figuren.

Die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird also vom Kollektiv-Monumentalen auf eine individuell-psychologische Ebene gelenkt. Musikalisch war der Abend viel besser als von mir erwartet. Die Symphoniker gaben sich keine Blößen, die Sänger waren gut disponiert, der Arnold Schoenberg Chor sang makellos und präzise.

Die Akustik im Theater an der Wien ist erstaunlich, sehr schade, dass es für Musicals missbraucht wird. In ein paar Jahren werden dort wieder die Opern Mozarts im Mittelpunkt stehen, eine sehr erfreuliche Entwicklung!

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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