Seltsamkeiten aus dem Hause Suhrkamp (2)

Ein weiterer „Denker“, dessen Prominenz indirekt proportional zu seinem analytischen Vermögen steht, ist Jochen Hörisch. Wie Sloterdijk profitiert er vom Ehrfurchtseffekt des Kulturbetriebs. Dieser Effekt funktioniert folgendermaßen: Man schreibt eine Reihe von dunklen Artikel und Büchern, was viele Meinungsmacher veranlasst, ehrfürchtige Elogen zu schreiben, wollen sie doch nicht zugeben, dass sie das betreffende Buch nicht verstehen, von dem alle anderen so selbstbewusst reden.

Dabei übersehen sie (in der Regel mangels philosophischer Schulung), dass man solche Texte aus prinzipiellen Gründen gar nicht verstehen kann, weil deren Autoren gegen grundsätzliche wissenschaftssprachliche Prinzipien verstoßen, die erkenntnistheoretisch hervorragend fundiert sind.

Das Ergebnis sind Bücher wie das für Oktober angekündigte von Jochen Hörisch: „Es gibt (k)ein richtiges Leben im falschen“. Spaßeshalber wieder einige Passagen aus der Vorschau:

Aus der Perspektive der Flugzeugattentäter vom 11. September 2001 ist das falsche Leben genau das richtige Leben der westlichen Welt. Was stellt man mit dieser Erkenntnis an? „Dem Großprojekt eines Auszugs aus der falschen Welt und dem grundfalschen Leben war bislang kein durchhaltender Erfolg beschieden.“ Diesen Fehler im Webmuster des Lebens, des Denkens aufzuspüren macht sich Jochen Hörisch auf.

„Heirate, du wirst es bereuen; heirate nicht, du wirst es auch bereuen; heirate oder heirate nicht, du wirst es bereuen; entweder heiratest oder du heiratest nicht nicht, du bereust beides.“ [usw.]

Klingt wie eine schlechte Bernhard-Parodie, ist aber völlig ernst gemeint…

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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