Schnitzler: Fink und Fliederbusch

Theater in der Josefstadt 26.3.03
Regie und Bearbeitung: Jürgen Kaizig
Fink/Fliederbusch: Michael Dangl
Graf Niederhof: Peter Scholz
u.v.m.

Das selten gespielte „Tendenzstück“ Artur Schnitzlers, 1917 in Wien uraufgeführt, knöpft sich die Journalistenzunft vor, deren Opportunismus komödiantisch auf die Bühne gebracht wird. Die komische Grundidee: Ein Journalist schreibt jeweils unter Pseudonym in einer liberalen und einer reaktionären Zeitungen polemische Artikel gegen sich selbst. En passant werden diverse schreibende Typen karikiert und Probleme thematisiert, die nach wie vor aktuell sind. Etwa überflüssige Klatschartikel, Gefälligkeitsrezensionen oder das Ausgeliefertsein von Journalisten an ihr Medium. Gute Arbeitsplätze für Journalisten dürften in Österreich heute noch seltener sein, als vor 90 Jahren.

Da ich das Stück nicht las, und es für die Aufführung von Jürgen Kaizig bearbeitet wurde, möchte ich kein endgültiges Urteil darüber abgeben. Im Ganzen wirkt es etwas konstruiert (wie die Handlung insgesamt). Es gibt einige sehr intelligente Dialoge. Wenn Graf Niederhof dem erstaunten Fink eloquent sein Weltbild erläutert, weiß man nicht, was überwiegt: Abgeklärtheit gegenüber der politischen Welt oder doch nur Opportunismus und Geschäftssinn.

Der Schluss läuft (in der Bearbeitung?) auf ein ziemlich einfältiges happy end hinaus, was vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges doch sehr eigenartig wirkt. Es lohnt sich jedenfalls die Aufführung anzusehen und sich mit dem Schnitzlerschen Nebenwerk etwas ausführlicher zu beschäftigen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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