Ausbruch der Dummheit

Kriegsausbrüche sind immer auch Dummheitsausbrüche und ein Lackmus-Test nicht nur für die intellektuelle Zunft. Sieht man sich die zahllosen Wortspenden zum Thema an, ist die Durchfallquote erstaunlich hoch. Fängt man mit jenen an, die für das Denken bezahlt werden, streiten sich auf der Dummheitsskala wie so oft Vertreter der postmoderne Fraktion um die besten Plätze. So gibt Thomas Mießgang im Format Nr. 12 zum Besten:

An der sogenannten „vierten Front“, wie sie vom Philosophen [sic!] Paul Virilio genannt wird, der Medienfront, tobt längst ein Weltkrieg, der an globaler Zerstörungskraft größere Wucht entfaltet als selbst die raffiniertesten High-Tech-Kriegswerkzeuge. Bewaffnete Auseinandersetzungen sind heute vor allem Bilderkriege. [S. 30]

Mein Vorschlag wäre ein empirischer Test: Herr Mießgang möge sich ein paar Stunden mit 50 Fernsehgeräten in einen Palast Saddam Husseins einschließen und die Zerstörungskraft dieser Medienfront genau beobachten, und sie dann mit einer der in den Palast einschlagenden Tomahawks vergleichen…

Bei den denkenden Laien sieht es naturgemäß nicht besser aus, dazu reicht ein kurzer Blick in diverse Foren oder Newsgroups. Die Naivität der Weltbilder ist beeindruckend, die kognitive Leistung der Komplexitätsreduktion auf allen Ebenen brillant, manche scheinen sogar noch den Schlichtheitsgrad der Realitätswahrnehmung von George Bush jun. unterbieten zu wollen. Besonders schätze ich die Meinungen, die den Massenmörder Hussein und seine Helfershelfer als verfolgte Unschuld hinstellen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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