Gangs of New York

English Cinema Haydn, 21.2.
Regie: Martin Scorsese

Wenn es stimmt, was die Marketing Abteilung von Miramax verbreiten läßt, nämlich dass Scorsese dreißig Jahre lang an diesem Film gearbeitet hat, möchte man ihm den zugegebenermaßen verspäteten Ratschlag geben, sich Zeit zu lassen, und vielleicht noch einmal 30 oder 60 Jahre anzuhängen. In der Kunst soll man ja nichts überstürzen.

Von „Kunst“ im eigentlichen Sinn kann freilich auch nicht die Rede sein, angesichts dieses gewaltverherrlichenden Mainstreamspektakels. Welchen Zweck die perfekt choreografierten Gewaltszenen und die farblich überzeugend arrangierten Blutszenen haben, bleibt im Dunkeln. Avanciertere Mittel der Filmästhetik vermisst man, nicht hingegen zahllose Anspielungen auf Filmklassiker (den Berichten von Cineasten nach zu schließen).

Das Beste an dieser faszinierenden Geldverschwendung (100 Millionen Dollar), ist die schauspielerische Leistung. Herausragend Daniel Day-Lewis als Bill the Butcher, dessen ungewöhnliche Figur einen Kinobesuch teilweise lohnt. DiCaprio versucht tapfer, gegen sein Image anzuspielen, nicht unerfolgreich alles in allem.

Der kitschig-reaktionäre Schluss ist sehr aufschlussreich, wenn man sich für die kommerzielle Prostitution von Pop“musikern“ interessiert (was ich eigentlich nicht tue). Aber wer den Welterfolg einer irisch-katholischen Zumutung wie U2 verstehen will, sehe sich das Ende von „Gangs of New York“ an. Geboten wird eine musikalische Analogie zur Kronenzeitung: Eine Mischung aus politischer Dummheit, Kitsch und hohlem Pathos. Die nächsten Grammys sind ihnen also sicher.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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