Nikolaj Gogol: Die toten Seelen. Roman

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Religion ist der Entwicklung des Geistes im allgemeinen nicht förderlich (ein paar geistesgeschichtliche Ausnahmen durchaus zugestanden). Ein eklatantes Beispiel dafür ist die Nacht zum 12. Februar 1852, in der Gogol, aufgehetzt durch einen fanatisierten Priester, das Manuskript des zweiten Bandes seines Romans verbrannte.
Es ist zur Genüge bekannt, dass „Die toten Seelen“ einen Meilenstein der russischen Literatur darstellen. Wie so oft im ästhetischen Bereich, geht hohe Qualität mit hoher Komplexität einher. Ein Indiz dafür sind die bis heute divergenten Interpretationen des Werks. Von einer progressiven Darstellung der sozialen Problematik Russlands bis hin zu einer reaktionären Verklärung des Gutsherrentums reicht das Meinungsspektrum.

Von einem Beginn der realistischen Literatur in Russland kann man durchaus sprechen, allerdings nur, wenn man den satirischen Ansatz des Romans ausreichend würdigt. Abstrahiert man von den zahlreichen gelungenen Übertreibungen erhält man tatsächlich ein ungewöhnlich lebendiges Bild des damaligen Zarenreichs (genauer: der Provinz desselben).

Die überlieferten Fragmente des zweiten Teils hinterlassen einen zwiespältigeren Eindruck, zumal verstärkt gegen aufklärerische Bewegungen in Russland polemisiert wird und fragwürdige Typisierungen stattfinden.

Obwohl der umfangreiche erste Band am Anfang der großen russischen Romane des 19. Jahrhunderts steht, gehört er zu den besten seiner Art.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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