Schnitzler: Anatol

Akademietheater 17.10.02
Regie: Luc Bondy
Anatol: Michael Maertens
Max: Klaus Pohl
Else: Petra Morzé
Gabriele: Angela Winkler

Der Selektionsprozess der Literaturgeschichte ist unbarmherzig. Wie viele „brisante“ Stücke aus den fünfziger und sechziger Jahren (Dürrenmatt! Frisch!) wirken heute verstaubt? Frisch, modern, intelligent dagegen „Anatol“.

Diese Adjektive passen auch auf Luc Bondys Inszenierung, der das Stück stilsicher auf die Bühne brachte. Seine Regie zeigt alle Facetten des Stücks, von stupender Komik (Abschiedssouper) über schwebende Melancholie (Weihnachtseinkäufe) bis hin zur (durch einen Blick in den leeren Bühnenraum gebrochenen) Tragik (Anatols Größenwahn).

Der „Soundtrack“ erinnerte stellenweise stark an Woody-Allen-Filme. Tatsächlich läßt sich Anatol unschwer als Vorläufer eines modernen Stadtneurotikers erkennen.
Schauspielerisch war der Abend ebenfalls sehr gelungen. Der Norddeutsche Michael Maertens spielte den „Wiener“ Anatol plausibel als verträumten Melancholiker. Hervorragend auch Klaus Pohl als Freund Max.

Ansehen!

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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