Schiller: Geschichte des Abfalls der Vereinigten Niederlande

„…von der spanischen Regierung“

(Wissenschaftliche Buchgesellschaft; Band IV)

Schiller als Historiker führt ein Schattendasein. Spätestens seit dem Historismus im 19. Jahrhundert wurde seine Vorgehensweise als unwissenschaftlich qualifiziert, obwohl sich durchaus methodische Reflexionen finden. Allerdings stößt man auch auf eine Reihe ziemlich polemischer Wertungen. Die meisten von ihnen, etwa seine vernichtende Kritik an der katholischen Kirche im allgemeinen und an der Inquisition im besondern, geben seiner Studie aber eine nicht unwillkommene Würze:

[…] ein Dominikanermönch, Torquemada, stieg zuerst auf ihren blutigen Thron, gründete ihre Statuten und verfluchte mit diesem Vermächtnis seinen Orden auf ewig. Schändung der Vernunft und Mord der Geister heißt ihr Gelübde, ihre Werkzeuge sind Schrecken und Schande. [S. 82f.]

Obwohl Schiller-Forscher versichern (etwa Jürgen Eder im „Schiller Handbuch“), dass viele von Schillers Analysen mit modernen Darstellungen dieses Konfliktes kompatibel sind, liest man diese Abhandlung am besten als Dokument der Aufklärung. Schiller brach sein Buch seltsamerweise am Höhepunkt der spanischen Unterdrückung ab, d.h. der eigentliche Befreiungskampf wird nicht mehr behandelt. Eine Lektüre-Empfehlung!

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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