Warum man Thukydides lesen soll

Von ihm wird hier demnächst noch öfters die Rede sein. Den Auftakt soll Jens Jessens schönes Plädoyer bilden, warum Thukydides eine ideale Urlaubslektüre darstellt:

Zu den unvergänglichen Vorurteilen zeitgenössischer Lebenspraxis gehört die Meinung, für den Urlaub seien nur leicht lesbare Schmöker geeignet. Manches spricht dafür, dass diese Maxime von notleidenden Buchhändlern ausgegeben wurde, die ihre Ladenhüter des angelsächsischen Humorgewerbes abstoßen wollten. In Wahrheit ist nichts enttäuschender, als in den Ferien, wenn endlich der Kopf frei geworden ist, mit Büchern umzugehen, die leichter zu durchschauen sind als die örtlichen Bustarife. Um den nahrhaften Lesewiderstand eines Thukydides, der mühelos für drei Wochen reicht, auch nur annähend mit Krimis und Arztromanen zu erreichen, müsste man mindestens zwei Dutzend von ihnen mitnehmen, und es ist leicht einzusehen, dass sich die Charterfluggesellschaften gegen solches Übergepäck sperren.

Quelle: „Zeit“ via Internetarchiv Wer hat Angst vor Thukydides?

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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