Martin Walser: Tod eines Kritikers. Roman

Manuskript

Wann las ich zuletzt ein so abstoßend schlechtes Buch? Als „Referenz“ fallen mir nur die Werke des unsäglichen Robert Schneider ein, den unvergesslichen Schöpfer von „Kunigunde, der Hirschkuh“.

Walsers Roman ist buchstäblich auf allen Ebenen missglückt, ein beeindruckendes Kunstwerk des schlechten Geschmacks. Man ist bei der Lektüre hin und her gerissen, ob man sich auf die stupende literarische Unfähigkeit des Autors konzentrieren oder das Augenmerk doch lieber auf die in dem Text enthaltenden kläglichen „Geistes“ergießungen richten soll, die sich auf einem Niveau des Stumpfsinns bewegen, das man in Deutschland lange nicht mehr lesen konnte.

Thomas Assheuer versucht in der ZEIT eine Analyse dieses „geistigen“ Gehalts:

Denn Der Tod eines Kritikers ist die konsequente Durchführung eines ästhetischen und politischen Programms, aus dem Walser nie einen Hehl gemacht hat und dessen Mischung aus Friedrich Nietzsche und dem französischen Rechtsintellektuellen Alain de Benoît seit langem im Vollbild vorliegt. Welche geistigen Wahlverwandtschaften darüber hinaus noch bestehen, ist keine Entdeckung, von der man der Welt erst heute Mitteilung machen müsste. Denn auch für Ernst Jünger war der „Monotheismus eine tausendjährige Inzucht“, und auch er wollte den gordischen Knoten der jüdisch-christlichen Moral durchschlagen, damit Deutschland erhobenen Hauptes den Fesseln der westlichen Schuldmoral entsteige. Damals hatte Frank Schirrmacher den alten Ernst Jünger wie einen Halbgott verehrt; doch was Jüngers Antijudaismus angeht, wird er die Differenz zu Walser mit der Lupe nicht finden. Es gibt sie nicht.

So gelungen der Assheuer-Artikel in vieler Hinsicht ist, Walser in einem Atemzug etwa mit Ernst Jünger zu nennen, wäre als wollte man einen schlammigen Moorsee mit einem Meer vergleichen. Eine passendere Vergleichskategorie sind „Kolbenheyer, Grimm und Johst“ auf die Assheuer ebenfalls zu sprechen kommt. Walsers Roman fischt in den trübsten Gewässern der deutschen Geistesgeschichte, daran besteht kein Zweifel.

Das wäre nun zwar bedauerlich, aber nicht weiter überraschend, denn es fanden und finden sich immer Autoren, die diesen publizistischen Markt bedienen. Der eigentlich Skandal besteht darin, dass dieses Buch eine Reihe von Verteidigern gefunden hat. Das Buch gehört mit zu den inhumansten Werken meiner Lesegeschichte. Ehrl-König wird nicht als Mensch dargestellt, sondern in einer monströsen Weise stilisiert, ein macht- und sexbesessenes Monster, das unterstützt von New Yorker Intellektuellen der tiefen deutschen Literatur den Dolch in den Rücken stößt. Ein Un-Mensch ganz in der Tradition der antisemitischen Propaganda. Selbstverständlich wird in diesen Zusammenhängen auch die „Aufklärung“ denunziert, wussten wir doch schon immer, dass das Weltjudentum für diesen Verrat an der bodenwüchsigen deutschen Kultur verantwortlich ist.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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