Helene Hanff: 84 Charing Cross Road.

„Eine Freundschaft in Briefen“

Hoffmann und Campe bzw. btb (Amazon Partnerlink)

Ziemlich genau 30 Jahre hat es gedauert, bis dieses bibliomane Kleinod den Weg in deutsche Buchhandlungen fand. Die Schriftstellerin Helene Hanff, damals in sehr bescheidenen Verhältnissen in New York wohnend, stößt bei ihrer Suche nach einer günstigen Bücherquelle auf das Londoner Antiquariat „Marks & Co.“. Aus einer ersten Bestellung (5. Oktober 1949) entsteht ein berührender, freundschaftlicher Briefwechsel. Es ist von den Versorgungsproblemen in London die Rede, aber selbstverständlich immer wieder von Büchern:

Ich besitze nur drei Bücherregale und nur noch sehr wenige Bücher, die ich wegwerfen kann. Jedes Jahr im Frühjahr mache ich Bücher-Großputz und werfe die hinaus, die ich nie wieder lesen werde, so wie ich alte Kleider, die ich nie wieder tragen werde, wegwerfe. Alle Welt ist darüber schockiert. Meine Freunde sind komisch mit Büchern. Sie lesen alle Bestseller, und das so schnell wie möglich, ich glaube sie überspringen viel. Und sie lesen nie etwas zwei Mal, weshalb sie sich ein Jahr später an kein einziges Wort mehr erinnern können. Aber sie sind tief schockiert, wenn ich ein Buch in den Papierkorb werfe oder es fortgebe. Wie sie mich dabei ansehen: Man kauft ein Buch, man liest es, man stellt es ins Regal, man öffnet es nie weider im ganzen Leben, aber MAN WIRFT ES NICHT WEG! NICHT WENN ES EIN GEBUNDENES BUCH IST! Warum nicht? Ich für meine Person kann mir nichts weniger Heiliges vorstellen als ein schlechtes oder auch ein mittelmäßiges Buch. [S. 87f.]

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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