Schiller: Die Jungfrau von Orleans

Burgtheater 28.3.02
Regie: Karin Beier
Karoline Eichhorn, Nicholas Ofczarek, Barbara Petritsch, Peter Simonischek

Ein hysterisches Mädchen, das von göttlichen Eingebungen getrieben, patriotische Großtaten vollbringt, ist ein denkbar schlechter Stoff für ein gutes Drama. Kein Wunder also, dass es zu Lebzeiten Schillers ein Publikumsrenner war, gab der Autor doch seinem Werk zusätzlich noch einiges an Kolportage mit auf dem Weg.

Schillers Ausflug ins romantisch-religiöse scheitert kläglich. Eine Ursache dafür mag seine antiaufklärerische Intention gewesen sein, ein Gegenstück zu Voltaires „La Pucelle d’Orleans“ zu schreiben. Der antireligiöse Spott empörte den guten Schiller, weshalb er den selben Stoff von religiös-erhabener Seite aufbereiten wollte.

Was bringt ein Theater dazu, das schlechteste Schillerstück im Jahr 2002 auf den Spielplan zu setzen? Die Inszenierung von Karin Beuer blieb eine Antwort auf diese Frage schuldig. Statt eine explizit kritische Lesart zu wählen, fand auf der Bühne ein mäßig ironisches Spiel statt. Eine Reihe von Szenen sind nett choreographiert, andere bringen hübsche Tableaux zustande. Wenn sich jemand Schiller am Burgtheater ansehen will, ist derzeit „Maria Stuart“ eine wesentlich bessere Wahl.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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