Donald R. Kelley: Eclecticism and the History of Ideas

Journal of the History of Ideas 4/2001

Eklektizismus hat heute einen pejorativen Beigeschmack. Das ändert sich, wenn man eine geistesgeschichtliche Perspektive wählt, denn dann steht man vor einem vergleichsweise progressiven Phänomen. Seit der Antike wurde dieser Begriff als Gegenpol zu Schulmeinungen gebraucht. Statt sich den Theorien einer philosophischen Schule zu verschreiben, zog es der Eklektizist vor, sich das beste aus den verschiedenen Schulen auszusuchen, also plausible Erkenntnisse aus verschiedenen Schulen zu kombinieren. Historisch betrachtet, handelt es sich um eine progressive Denkrichtung, die verschiedene Systeme kritisch evaluierte und nur streng geprüfte Teile davon gelten ließ.

Kelley gibt in seinem Aufsatz einen Abriss der Geschichte des Eklektizismus. Dabei betont er vor allem die Bedeutung dieser Methode für die Entstehung eines neuen Faches, der Philosophiegeschichte.

Thus the aim of Eclecticism was to join the old, unreflective doxographical tradition with scientific search for truth in order to give philosophical legitimacy to the practice of philosophy. [S. 583]

Dieser Konnex ist sehr erhellend, vor allem in Zusammenhang mit den Anfängen der Philosophiegeschichtsschreibung im Deutschland des 18. Jahrhundert, auf die Kelley ausführlich eingeht.

Weniger befriedigend an dem Text ist, dass der Autor mit keinem Wort auf die logischen Probleme des Eklektizismus eingeht, also auf die Frage, wie eine Kombination unterschiedlicher Theoriemodule aus verschiedenen Richtungen logisch kompatibel sein sollen. Hier hätten sich eine Reihe von sehr interessanten Betrachtungen anstellen lassen, beispielsweise welche minimalen logischen Kriterien solche eklektizistischen Systeme erfüllen müssen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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