Thomas Nagel über den Subjektivismus

Die These „Alles ist subjektiv“ muß unsinnig sein, denn sie müßte ihrerseits entweder subjektiv oder objektiv sein. Objektiv kann sie aber nicht sein, denn sonst wäre sie im Falle der Wahrheit falsch. Subjektiv kann sie auch nicht sein, denn sonst würde sie keine objektive Behauptung ausschließen, unter anderem auch nicht die Behauptung, daß sie selbst objektiv falsch sei. Einige Subjektivisten, die sich womöglich als Pragmatisten gerieren, präsentieren ihren Subjektivismus vielleicht so, daß er sogar auf sie selbst zutrifft. Doch in diesem Fall bedarf der Subjektivismus keiner Erwiderung, denn er ist dann nichts weiter als eine Schilderung der dem Subjektivisten genehmen Äußerungen. Sollte uns der Subjektivist überdies auffordern, ihm beizupflichten, brauchen wir keinen Grund für unsere Ablehnung zu nennen, denn einen Grund beizupflichten hat er nicht genannt.

Diese Art von Einwänden ist uralt, aber dennoch scheint es stets von neuem nötig sein, sie zu wiederholen.

[Thomas Nagel: Das letzte Wort, Reclam UB. S. 24f.]

Uralt in der Tat, aber schön zusammengefasst.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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