Don Bates: Machina Ex Deo

„William Harvey and the Meaning of Instrument“

(Journal of the History of Ideas 4/2000)

Die Wissenschaftsgeschichtsschreibung hat längst zu Tage gefördert, dass eine Reihe wissenschaftlicher Glanzleistungen auf „dubiose“ Motive zurückgehen, etwa wenn Kopernikus das heliozentrische Weltbild auch damit rechtfertigte, dass die Sonne im Universum eine ähnliche Rolle spiele als Platons Idee des Guten im Reich der Ideen.
William Harvey ist durch die Entdeckung des Blutkreislaufs berühmt geworden, aber er hat auch sonst eine Menge an empirischen Studien betrieben. Trotzdem war er nach den Maßstäben des 16. Jahrhunderts ein konservativer Denker, konkret ein Aristoteliker, der mit dem neuen philosophischen Weltbild z.B. eines Francis Bacon nur wenig anfangen konnte.

Don Bates nimmt diese Situation zum Anlass, Harveys philosophische Auffassung des Instrumentalismus darzustellen, wozu er naheliegenderweise auf Aristoteles zurückgreift:

In short, while it cannot be said from today’s perspective that Aristotle’s notion of instrument was far out at the mechanical end of the spectrum, neither was his user of the instrument out at the strictly psycho-social end.

In fact, as has long been understood, explanations of the world in the thinking of the Ancient Greeks in general were not couched in dualistic terms that made the psycho-social and the mechanical mutually exclusive. Rather, they thought in terms of what might be characterized as a spectrum of explanations that ranged from the autonomous to the automatic, or from the actively self-governing to the merely self-moving. (S. 581)

Diese Frage, ob/inwieweit also zur Erklärung der Natur bzw. der Ursachen der natürlichen Phänomene auf instrumentelle Elemente zurückgegriffen werden muss, prägte das naturphilosophische Denken bis weit in die Neuzeit hinein.
Harvey schlägt sich in dieser Frage auf die Seite der Anhänger des Aristoteles:

[…] Harvey’s intuitions and motives were those of a natural philosopher, not a modern scientist. As such, he was striving for comprehensive, coherent, epistemologically defensible world view that would ultimately answer such fundamental questions as how man relates to creation. As an Aristotelian, this meant addressing some of the most puzzling and wondrous of all the phenomena of nature – fertilization, embryological development, and even simple growth. In fact, it was that larger picture […] which was Harvey’s life-long passion, the result of possibly thirty-five years empirical investigations. (S. 588)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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