Philip Kitcher: The Lives to Come

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Genervt durch das oberflächliche Gentechnik-Gerede in den Medien, fasste ich vor längerer Zeit den Entschluss, mich etwas ausführlicher mit der Molekularbiologie zu beschäftigen.

Kitcher ist nun kein Biologe, sondern ein in New York lehrender Wissenschaftsphilosoph, der bereits einige kluge wissenschaftstheoretische Bücher schrieb, so „The Advancement of Science“ (1993). In seiner jüngsten Publikation setzt er sich philosophisch mit den Folgen der Gentechnik auseinander.

Nach einem Abschnitt über die wichtigsten „handwerklichen“ Methoden der Molekularbiologen, behandelt Kitcher kapitelweise die wichtigen Problemkomplexe (Gentests, Gentherapien, forensische Anwendungen, Eugenik…). Dabei betont er regelmäßig die sozialen Auswirkungen der neuen Methoden (Stichwort: Gesundheitssystem der Industriestaaten) und weist auf die Komplexität der Umweltbedingungen bei der Persönlichkeitsentwicklung hin. Die Suche nach Genen, die das menschliche Verhalten determinieren, trage dieser Komplexität nur selten Rechnung. Deshalb sei auch keine Revolution des menschliche Selbstbildes zu erwarten (wie durch Kopernikus oder Darwin).

Alles in allem ein erfreulich intelligentes Buch zu einem der wichtigsten wissenschaftliche Themen der nächsten Jahre. Inzwischen ist bei Luchterhand auch eine deutsche Übersetzung erschienen: „Genetik und Ethik. Die Revolution der Humangenetik und ihre Folgen“.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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