Frank Kermode: Art Among the Ruins

(The New York Review of Books 11/2001)

Der Artikel* setzt sich ausführlich mit dem sogenannten New Historicism auseinander, einer literatur“wissenschaftlichen“ Methode, die in den achtziger Jahren von Stephen Greenblatt ins Leben gerufen wurde und eine Variante der postmodernen „Methoden“bildung darstellt.

Die Grundthese dieser Richtung besagt, dass alle historischen Phänomene einer Zeit mit allen anderen in Beziehung stehen und dass es deshalb sinnvoll sei, scheinbar disparate Bereiche so zu verbinden, dass ein Erkenntnisgewinn entsteht. Dass historisch alles mit allem „irgendwie“ in Verbindung steht, ist banal. Aber es war immer schon eine bewährte Strategie postmoderner Theoriebildung, Banales mit Absurden zu verbinden, um den Eindruck der Originalität zu erzielen. Originialität als Ziel der Wissenschaft hat in diesen Kreisen längst das viel langweiligere Ziel der Wahrheit abgelöst.

Frank Kermode diskutiert diese Schule anhand zweier neuer Bücher: Einen von Catherine Gallagher und Stephen Greenblatt herausgegebenen Sammelband mit dem Titel „Practicing New Historicism“ (University of Chicago Press) und „Shakespeare After Theory“ von David Scott Kastan, der nichts weniger will als einen neuen post-New Historicism einzuführen. Der Rezensent geht ausführlich auf repräsentative Analysen ein, betont deren Originalität, kann jedoch immer fundamentale Argumentations- und Denkfehler nachweisen. Wie so oft ist eine Ursache für die wissenschaftlichen Mängel das selbstverliebte Ausblenden von Tatsachen, die der eigenen Interpretation entgegenstehen. Deshalb zieht Kermode folgendes Fazit:

Kastan remarks that orthodox historians—historians de métier—find it hard to take the New Historicism seriously, and it seems unlikely that they will bother much about this post-New Historicism. An interest in fact is admirable, but theory has given it perhaps too much license, for all fact is now somehow interrelated; text and context are “imbricated” (i.e., overlapping, as with fish scales) so that one can say almost anything and claim its relevance to whatever is being talked about. Much intelligence and much scholarly labor is thus thrown away; while the plays themselves, puritanically denied “aesthetic” attention, are, like the theaters in 1642, declared off-limits.

* Teil des kostenpflichtigen NYRB-Archivs.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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