Antonio Lobo Antunes: Das Handbuch der Inquisitoren

Manche Bücher stehen eindeutig zu lange ungelesen im Regal. Hätte ich gewusst, wie souverän Antunes die Möglichkeiten moderner Erzähltechniken einzusetzen weiß, hätte ich es längst gelesen. Der Roman ist aus der Perspektive verschiedenster Figuren erzählt, die wiederum auf knappem Raum ihre Vorgeschichte schildern. Der Wechsel zwischen den Zeitebenen erfolgt oft quasi-musikalisch von einem Satz zum anderen, ohne dass der Leser deshalb die chronologische Orientierung verlöre. Dazu tragen gezielt eingesetzte Wiederholungen bei, manchmal werden halbe Absätze wiederholt, einige Motive ziehen sich durch den gesamten Roman.

Diese Ästhetik bewirkt auch, dass der politische Gehalt des Buches, die Kritik an Salazars Diktatur in Portugal, gespiegelt an den Ereignissen rund um das Landgut eines Ministers und dessen Bewohner, nie auch nur in die Nähe von Tendenzliteratur gerät.

Antonio Lobo Antunes: Das Handbuch der Inquisitoren (Fischer TB)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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