Karl Schönherr: Glaube und Heimat

Burgtheater am 25. März 2001
Regie: Martin Kusej
Werner Wölbern, Michael Peter, Martin Schwab, Sylvie Rohrer u.a.

Gerade aus dem Burgtheater kommend, stehen zwei Dinge fest (einmal abgesehen davon, dass man Kinder nicht zum Theatergehen zwingen soll, weil sie dann ständig herumquengelnd neben mir sitzen):

1. Das Stück ist drittklassig.

2. Besser als Martin Kusej hätte man es nicht inszenieren können. Der Bühnenboden verwandelt sich nach und nach in eine Kloake, Massenszenen sind eindrucksvoll choreografiert, für viele Szenen findet Kusej starke theatralische Bilder. Die Einladung zum Berliner Theatertreffen ist durchaus verständlich.

Es drängt sich jedoch eine Frage: Warum zwingt man einen der besten zeitgenössischen Regisseure, Tiroler Bauerntheater für Fortgeschrittene zu inszenieren? Trotz mehrerer literaturkritischer Rettungsversuche, einige davon finden sich naturgemäß im Programmheft, haftet dem Stück ein widerlicher Geruch nach Scholle an, kein Wunder, dass es vor 60 Jahren ohne viele Umstände in den Blut-und-Boden-Kanon integriert werden konnte.

Ein Talent wie Kusej sollte Gelegenheit bekommen mit den besten Schauspielern Sophokles, Shakespeare, Schiller, Ibsen oder Beckett auf die Bühne zu bringen, anstatt ihn zur „Rettung“ von Stücken zu missbrauchen, die besser dort bleiben, wo sie bisher waren: In Vergessenheit.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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