Thomas Bernhard und seine Lebensmenschen – Der Nachlass

Ausstellung in der Wiener Nationalbibliothek

Viele interessante Dokumente aus dem Nachlass, nicht zuletzt die bis jetzt nur ansatzweise transkribierten Notizbücher und Korrespondenzen seines Großvaters, Johannes Freumbichler. Darunter befindet sich einiges auch literarhistorisch aufschlussreiches, so ein Brief des Wiener Paul Zsolnay Verlags vom 25. Juni 1938 über ein eingesandtes Manuskript:

Zwar ist man sich wie das bei Ihnen, hochverehrter Freumbichler, ja selbstverständlich ist, völlig einig über die literarische Bedeutung und die stilistischen Schönheiten Ihres neuen Werkes. Doch glauben wir eine ganze Reihe von Stellen, die uns in einer Zeit wie der heutigen, in der man von jedem Schriftsteller gewisse Stellungnahmen zu weltanschaulichen Problemen als abwegig betrachtet, als für den Vertrieb des Werkes schädlich ansehen zu müssen. Wenn z.B. gesagt wird „dass aus der Vermischung der Rassen nicht nur die intelligentesten sondern auch die apartesten Menschenkinder hervorzugehen pflegen“ so ist das zweifellos eine Stellungnahme zu einem Thema über das im heutigen Deutschland nicht mehr diskutiert werden kann. [Zitiert nach dem Faksimile des Ausstellungskatalogs, S. 51]

Ansonsten viele klug ausgewählte Fotos und eine sehenswerte Dokumentation, die aus chronologisch zusammengeschnittenen Ausschnitte aus Porträts und Lesungen des Autor besteht. Alles in allem eine der besten Literatur-Ausstellungen, die ich sah. Der Katalog ist eine wichtige eigenständige Publlikation zur Biographie Thomas Bernhards. Als Herausgeber fungieren Martin Huber, Manfred Mittermayer und Peter Karlhuber.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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